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Sonntag, 5. Februar 2012

Aktuelle Aufsätze

2007 (17. Jahrgang)

Heft 4

Sebastian Galka/Eberhard Schuett-Wetschky
Parlamentarismuskritik und Grundgesetz: Hat der Parlamentarische Rat Fraktionsdisziplin abgelehnt?
ZPol 17/4, 2007, S. 1095-1117
Kurzfassung
Abstract

Ludger Helms
Wie verändert die Internationalisierung von Politik, Gesellschaft und Ökonomie die liberale Demokratie in Europa? Eine Problemskizze
ZPol 17/4, 2007, S. 1119-1139
Kurzfassung
Abstract

Heiko Prange
Globalisierung und der variierende Wandel nationaler Politiken im internationalen Vergleich
ZPol 17/4, 2007, S. 1141-1161
Kurzfassung
Abstract

Daria W. Dylla
Der Rational-Choice-Ansatz und die Ursache politischer Entscheidungen
ZPol 17/4, 2007 S. 1163-1184
Kurzfassung
Abstract


Kurzfassungen / Abstracts

Sebastian Galka/Eberhard Schuett-Wetschky

Parlamentarismuskritik und Grundgesetz: Hat der Parlamentarische Rat Fraktionsdisziplin abgelehnt?
ZPol 17/4, 2007, S. 1095-1117

Kurzfassung:

„Fraktionsdisziplin“ bezeichnet das nach außen geschlossene (übereinstimmende) Agieren der Mitglieder einer Partei im Parlament. Seit Jahrzehnten wird Fraktionsdisziplin als Verletzung der vom Grundgesetz gewährleisteten Entscheidungsfreiheit des einzelnen Abgeordneten kritisiert. Paul Kirchhof zum Beispiel vertritt die Auffassung, dass die „Dominanz der politischen Parteien im parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren“ die „Verfassungserwartung des unparteilichen [...] Abgeordneten [...] gefährdet“ (2004b: 364).
Grundlage derartiger Kritik ist die – auch bei Kirchhof erkennbare – klassisch-liberale Theorie parlamentarischer Repräsentation. Nach dieser Theorie sollen alle Abgeordneten als Einzelne miteinander beraten und dann jeder nach seiner persönlichen Auffassung entscheiden, unabhängig von Fraktion und Partei, orientiert an „truth and justice“ (John Stuart Mill). Schon im 19. Jahrhundert entsprach die Praxis nicht dieser Theorie. Wollten die Verfasser des Grundgesetzes, dass die Praxis doch noch entsprechend jener Theorie geändert werden sollte? Ist Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG im klassisch-liberalen Sinne zu interpretieren?
Als ein Beitrag zur Beantwortung dieser Frage werden sowohl die Diskussionen als auch die Praxis im Parlamentarischen Rat 1948/49 analysiert. Ergebnis: Die Behauptung einer „Verfassungserwartung“ des „unparteilichen“ Abgeordneten kann sich nicht auf die Verfasser des Grundgesetzes stützen. Fraktionsdisziplin war auch schon im Parlamentarischen Rat ständige, hinsichtlich ihrer Legitimität unbestrittene Praxis.

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English Abstract:

Did the Parliamentary Council 1948/49 Oppose Party Discipline? 

In Germany, party discipline has been criticized for decades as it allegedly violates the constitutional right of MPs to decide freely on their voting behavior. Such criticism is based on the liberal theory of parliamentary representation expecting MPs to make legislative decisions according to their personal preferences, free from any party influence, based only on “truth and justice” (John Stuart Mill). Was it the intention of the drafters of Germany’s Basic Law in 1948/49 to put this liberal theory into practice? Both the content of the debates and the way of conducting parliamentary business of the 1948/49 Parliamentary Council are analyzed in order to answer this question. The result: The drafters of the Basic Law did not expect MPs to be non-partisan, but constantly exercised party discipline themselves.

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Ludger Helms

Wie verändert die Internationalisierung von Politik, Gesellschaft und Ökonomie die liberale Demokratie in Europa? Eine Problemskizze
ZPol 17/4, 2007, S. 1119-1139

Kurzfassung:

Die positiven Aspekte von Internationalisierung in Europa werden heute weithin anerkannt. Gerechtfertigt erscheint dies insbesondere mit Blick auf einige Aspekte internationalisierter Problemlösung. Die Manifestationen und Effekte der fortschreitenden Internationalisierung von Politik, Gesellschaft und Ökonomie sind jedoch vielfältig und widersprüchlich. Zu den problematischen Aspekten gehört die nachhaltige Herausforderung einiger der grundlegenden Prinzipien liberaler Demokratie auf der Ebene der europäischen Nationalstaaten. Der Beitrag beleuchtet im besonderen die Auswirkungen der europäischen Integration, des Aufstiegs globaler Firmen zu politisch relevanten Akteuren, der zwischenstaatlichen Migration, des internationalen Terrorismus (einschließlich der Reaktionen des Staates darauf) sowie des Rechtspopulismus.

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English Abstract:

How Does the Internationalization of Politics, Society and the Economy Affect Liberal Democracy in Europe? A Problem-Oriented Assessment

That internationalization may affect the evolution of liberal democracy in Europe and elsewhere in a positive way marks a prominent assessment. Such evaluations appear justified in particular with regard to the impact of European integration on the development of democracy in Central Eastern Europe. However, the manifestations and effects of growing internationalization of politics, society and the economy have been highly diverse and ambiguous. Among the more problematic effects of internationalization is the challenge it poses to some of the fundamental principles of liberal democracy at the level of European nation states. This paper highlights some of the major internationalization-driven challenges to liberal democracy in Europe, and looks at possible solutions to the structural problems identified.



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Heiko Prange

Globalisierung und der variierende Wandel nationaler Politiken im internationalen Vergleich
ZPol 17/4, 2007, S. 1141-1161

Kurzfassung:

In diesem Beitrag wird über einen Zeitraum von ca. 30 Jahren (1970-2000) der Wandel der Forschungs- und Technologiepolitiken in den Niederlanden, der Schweiz und Schweden, d. h. in kleinen, offenen Volkswirtschaften, nachgezeichnet und die Ursachen für Variationen im Wandel dieser Politiken werden herausgearbeitet. Diese Variationen sind – entgegen der Annahmen der Globalisierungsforschung – nicht vorrangig auf eine verstärkte Internationalisierung/Globalisierung (von Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten) zurückzuführen, sondern vor allem eine Folge von Veränderungen der Institutionalisierung (bezogen auf die Anzahl und die Bedeutung von Vetopunkten im politischen System, den Europäisierungsgrad, wirtschaftspolitische Traditionen und Strukturen) innerhalb eines Politikfeldes. Für den Zusammenhang von Globalisierungsprozessen und Politikwandel bedeutet dies folglich, dass die Wirkung zunehmender Internationalisierung auf nationale Politik insbesondere dann eine untergeordnete Rolle spielt, wenn ein Wandel der nationalen politisch-institutionellen Strukturen oder der Prozesse der europäischen Integration stattfindet.

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English Abstract:

Globalization and the Varying Change of National Policies in Comparative Perspective

Taking the time span between 1970 and 2000 this article traces the change of national science and technology policies in the Netherlands, Switzerland and Sweden and explains why the changes vary to a significant extent. I will argue that variations in policy change are not the overriding result of growing globalization of science and technology activities but first of all reflect the dynamics of institutionalization processes (relating to veto points within a political system, the degree of Europeanization, and politico-economic traditions and structures) within a policy area. In sum, this means that the impact of growing globalization on national policies plays an inferior role, especially when in parallel a change of national- institutional structures or of processes of European integration occur. 

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Daria W. Dylla

Der Rational-Choice-Ansatz und die Ursache politischer Entscheidungen
ZPol 17/4, 2007 S. 1163-1184

Kurzfassung:

Der Rational-Choice-Ansatz wird gegenwärtig einerseits als der umfassendste und vielversprechendste Ansatz der Politikwissenschaft betrachtet. Gleichzeitig wird ihm aber auch mit einer berechtigten Skepsis begegnet, die zum Teil auf zahlreichen Missverständnissen beruht. Viele davon hängen nicht zuletzt mit dem in der Fachliteratur kaum thematisierten Chaos in Bezug auf die Haupttermini des ökonomischen Forschungsprogramms zusammen. Problematisch in diesem Kontext erscheinen u. a. Begriffe wie Ziel, Zweck, Bedürfnis, Präferenz bzw. Motiv – als individuelle Handlungsursachen –, die selten definiert und darüber hinaus des Öfteren synonym verwendet werden. Die in diesem Beitrag vorgeschlagene Ausdifferenzierung von drei Ebenen der Handlungsursachenhierarchie politischer Akteure soll einen Beitrag zur Erhöhung der argumentativen Klarheit sowie begrifflichen Eindeutigkeit der auf dem Rational-Choice-Ansatz aufbauenden ökonomischen Theorien leisten.

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English Abstract:

The Rational-Choice-Approach and the Cause of Political Decisions

On the one hand the rational-choice-approach is currently viewed as the most complete and promising approach of all modern political theories. On the other hand, it is not only considered with scepticism but is frequently misunderstood. There is a connection between this misunderstanding and the chaos regarding the main terminologies of the rational-choice-approach. For example, the terms goal, aim, purpose, objective, or motive – as causes of individual political actions – are seldom defined and they are routinely used interchangeably. This article proposes a differentiation between three levels of a hierarchy of causes. This should account for clarity of argumentation as well as unambiguousness of the terms used in rational choice theories.



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