/ 22.06.2013
Moshe Zimmermann
Die Angst vor dem Frieden. Das israelische Dilemma
Berlin: Aufbau-Verlag 2010; 152 S.; brosch., 14,95 €; ISBN 978-3-351-02717-9Nach Ansicht Zimmermanns verdient der Friedensprozess im Nahen Osten diesen Namen nicht mehr – dieser Prozess sei endlos, scheine aussichtslos und werde aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zum Frieden führen. Nun bietet die Zwei-Staaten-Lösung für den Autor immer noch „die beste aller Möglichkeiten an“ (10). Dass es dazu nicht komme, lastet er vor allem einem sozialpsychologischen Phänomenkomplex an, kollektiver Angst und Verdrängung. Zimmermann konzentriert sich in seinen Ausführungen auf die Konzeptionen, Glaubensbekenntnisse und Entscheidungen der israelischen Seite, die dazu beigetragen haben, dass der Friedensprozess bisher nicht fruchtbar geworden ist. Um die Angst der israelischen Gesellschaft zu erklären, erläutert er eine Untersuchung des israelischen Professors für politische Psychologie, Dani Bartal. Gesellschaften in unkontrollierbaren Konflikten würden von einer kollektiven Angst durchdrungen, die zu einer pawlowschen Reaktion führe: Da man nie wisse, wann tatsächlich Gefahr drohe, frage man nicht mehr nach den Absichten und Motiven des anderen und könne sich zudem keine Alternative zum Konflikt vorstellen. Die einzige Möglichkeit, diese Reaktion zu unterbrechen, sei nach Bartal, die Angst durch Hoffnung zu ersetzen. Zimmermann greift zudem gut gepflegte Gründungsmythen der israelischen Nation an. Der Mythos der Ha’Shomer, der durch eingewanderte Zionisten gegründeten Selbstwehr-Organisation gegen die Araber, gehört für ihn hierzu. „Die hegemoniale Geschichtsdarstellung in Israel“ (19) verschweige, dass „man nicht nur die Idee des Selbstschutzes“ hatte, sondern neuere Untersuchungen belegten auch, dass das brutale Vorgehen des Ha’Shomer gegen die Araber „die Feindschaft zwischen den beiden Gruppen zur Selffullfilling Prohecy werden ließ“ (21). Die israelische Gesellschaft müsse endlich anerkennen, dass drei Fünftel der Palästinenser für eine Zwei-Staaten-Lösung plädierten. Erst wenn sich die Israelis von ihren Mythen und Ängsten befreiten, so ist Zimmermann überzeugt, werde Frieden möglich und eine Katastrophe zu verhindern sein.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.63 | 4.41 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Moshe Zimmermann: Die Angst vor dem Frieden. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32294-die-angst-vor-dem-frieden_38537, veröffentlicht am 30.08.2010.
Buch-Nr.: 38537
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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