/ 06.06.2013
Ludwig Watzal
Feinde des Friedens. Der endlose Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern
Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag 2001; 341 S.; 8,95 €; ISBN 3-7466-8071-9Der seit den ersten israelisch-palästinensischen Abkommen 1993 erhoffte Durchbruch für eine dauerhafte und umfassende Regelung des Konfliktes zwischen den beiden Nationen ist genauso ausgeblieben wie eine ökonomische Friedensdividende für die gesamte regionale Ordnung des Nahen Ostens. Seit dem Beginn der zweiten palästinensischen Intifada im September 2000 scheinen die Konfliktparteien weiter von einer Einigung entfernt als jemals zuvor. Die scheinbare Endlosigkeit dieses Konfliktes betont auch der Autor mit der Kernthese seines Buches. Er sieht einen Grund dafür vor allem in der inneren Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft, die er in einem Kulturkampf zwischen orthodox-fundamentalistischen Juden, nationalistischen Siedlern und liberalen Israelis verwickelt sieht. Diese Auseinandersetzungen würden einen Konsens über die im Friedensprozess einzuräumenden Konzessionen verhindern. Zugleich betont er jedoch auch die Verantwortung der palästinensischen Autonomiebehörde, deren repressive Politik die Bildung einer Zivilgesellschaft und die Verfestigung demokratischer Strukturen verhindert hat. Zwar verweist Watzal darauf, dass es keinen Königsweg für eine dauerhafte Regelung gibt. Eine wichtige Voraussetzung für die Beendigung der jüngsten Eskalation sieht er aber vor allem in der strikten Einhaltung aller UN-Resolutionen sowie in einer Revision des israelischen Geschichtsverständnisses.
Aus dem Inhalt: Zur Geschichte Palästinas und Israels: 1. Zur Vorgeschichte der Staatsgründung Israels; 2. Die Kriege Israels und der innenpolitische Wandel; 3. Der Kampf der Palästinenser um einen eigenen Staat; 4. Präludien des "Friedens": von Madrid nach Oslo; 5. Die Regierung Netanyahu und die Eskalation des Konflikts; 6. Ehud Baraks Intermezzo und Ariel Sharons Wiederaufstieg. Der Friedensprozeß in Israel und Palästina; Die Menschenrechte der Palästinenser unter israelischer Besatzung und palästinensischer Autonomie: 1. Besatzung versus Völkerrecht; 2. Menschenrechtsverletzungen Israels gegenüber Palästinensern; 3. Menschenrechtsverletzungen der Autonomiebehörde gegenüber Palästinensern. Israel zwischen "jüdischer" Demokratie und fundamentalistischem Gottesstaat: 1. Das Bündnis zwischen expansionistischen Nationalisten und religiösen Fundamentalisten; 2. Die Kluft zwischen Ashkenasim und Sephardim/Mizrahim; 3. Vom klassischen zum ethnozentrischen Zionismus: "jüdische Exklusivität" versus "Staat aller seiner Bürger". Ausblick: Friede in Nahost ist möglich.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.63 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Ludwig Watzal: Feinde des Friedens. Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8787-feinde-des-friedens_17638, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17638
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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