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/ 21.06.2013
Jeff Gerth / Don Van Natta Jr.

Hillary Rodham Clinton. Ihr Weg zur Macht. Aus dem Amerikanischen von Michael Bayer, Karlheinz Dürr, Dagmar Mallett, Ursel Schäfer und Heike Schlatterer

München/Zürich: Piper 2007; 416 S.; 2. Aufl.; kart., 16,90 €; ISBN 978-3-492-05083-8
„Hillary for President?“ – Wohl besser nicht, wenn man den Autoren glauben schenken darf. So scheint Hillary Clinton wohl doch nicht die „cleverste“ Senatorin zu sein, wie ein US-Nachrichtenmagazin vor einigen Jahren behauptete – jedenfalls, wenn man ihre Zustimmung zum US-Einsatz im Irak 2002 betrachtet. Den haben zwar auch viele andere Kongressmitglieder falsch eingeschätzt. Aber dass die Politikerin nicht zu den gerade einmal sechs Senatoren gehörte, die sich den ausführlichen Geheimdienstbericht über den Irak vor ihrer Abstimmungsentscheidung durchgelesen haben, stimmt doch einigermaßen nachdenklich, wenn man bedenkt, dass die Senatorin Präsidentin werden will. Darin hätte sie nämlich feststellen können, wie unsicher sich die Geheimdienste über die Existenz von Massenvernichtungswaffen waren. Am bedenklichsten ist aber eine von den Autoren immer wieder hervorgehobene Eigenschaft: Hillary Clinton hat offenbar ein Problem damit, eigene Fehler einzugestehen und daraus Schlüsse zu ziehen. Neben diesen Details erfährt man etwas (eher wenig) über die Jugend Hillary Clintons und die Zeit vor Bill Clintons Wahl zum Präsidenten. Mit Ausnahme des ausführlich ausgebreiteten Whitewater-Skandals wird diese Zeit eher knapp behandelt. Während ihrer Jahre als First Lady stehen das Scheitern „ihrer“ Gesundheitsreform und – wen wundert es – die Lewinsky-Affäre im Mittelpunkt. Im letzten Drittel geht es um ihre Zeit als Senatorin und schließlich Präsidentschaftskandidatin. Insgesamt ein über weite Teile hinweg spannendes Buch, aus dem auch Politikwissenschaftler durchaus Gewinn ziehen können – sofern sie nicht ohnehin USA-Spezialisten sind. Die Wege der politischen Entscheidungsfindung und der Personalrekrutierung im politischen System der USA, insbesondere die Problematik der Wahlkampffinanzierung, werden am Beispiel des Ehepaars Clinton anschaulich dargestellt. Mangels präziser Quellenangaben ist es kein wissenschaftliches Werk, was wohl auch nicht beabsichtigt war. Behält man aber die Subjektivität der Aussagen im Hinterkopf, ist es alles in allem durchaus als lesenswert zu empfehlen.
Sven Leunig (SVL)
Dr., Politologe, Akademischer Rat, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.svenleunig.de).
Rubrizierung: 2.642.1 Empfohlene Zitierweise: Sven Leunig, Rezension zu: Jeff Gerth / Don Van Natta Jr.: Hillary Rodham Clinton. München/Zürich: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28253-hillary-rodham-clinton_33245, veröffentlicht am 31.03.2008. Buch-Nr.: 33245 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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