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/ 05.06.2013
Jürgen Habermas

Wahrheit und Rechtfertigung. Philosophische Aufsätze

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1999; 336 S.; kart., 34,- DM; ISBN 3-518-58273-9
Im Vorfeld seines Monumentalwerkes "Theorie des kommunikativen Handelns" (1981) hatte Habermas den älteren Versuch, eine kritische Theorie der Gesellschaft epistemisch zu begründen, aufgegeben und statt dessen - beeinflußt durch die analytische Philosophie - eine sprachpragmatische Rechtfertigung vorgelegt. Nach über dreißig Jahren widmet Habermas sich jetzt erstmals wieder den seit "Erkenntnis und Interesse" (1968) liegen gelassenen Problemen der theoretischen Philosophie. Es geht ihm hierbei vor allem um die Frage, wie die sprachkritisch entzauberte theoretische Philosophie den Fallstricken des postmodernen Kontextualismus entgehen kann, dessen Gefährlichkeit Habermas allerdings nur im Hinblick auf die praktische Philosophie und die Einebnung der Differenz zwischen Normativem und Faktischem begründen kann. Im titelgebenden Aufsatz setzt er sich mit der radikalsten Spielart (post-)analytischer Philosophie, der Richard Rortys, auseinander, deren reductio ad absurdum des Wahrheitsbegriffs Habermas trotz geteilter sprachpragmatischer Voraussetzungen nicht mitmachen will: Habermas hält mit Rekurs auf Putnams Referenzbegriff einerseits, mit Verweis auf die transzendental notwendige Unterstellung einer objektiven Welt für handelnde Aktoren andererseits am Wahrheitsbegriff fest, den er in theoretischer Perspektive - entgegen früheren Konzeptionen - nicht in diskursiver Rechtfertigung aufgehen lässt. In den anderen Aufsätzen klärt Habermas sein Verhältnis zu konkurrierenden philosophischen Positionen. Er liefert damit nicht nur eine sehr lehrreiche, wenn auch tendenziöse Rekapitulation der jüngsten Theorieentwicklung, sondern konturiert seine eigene Position an den Kritiken und Einwänden, die Habermas' vergangene Publikationen begleitet haben. Einen pointierten, sehr lesenswerten Überblick über eigene und konkurrierende Standpunkte gibt Habermas in der Einleitung (7-64), die thesenartig die zentralen inhaltlichen Punkte der folgenden zwischen 1996 und 1998 entstandenen Beiträge vorstellt. Alle Aufsätze erscheinen erstmals in diesem Band. Inhalt: I. Von der Hermeneutik zur formalen Pragmatik: 1. Hermeneutische und analytische Philosophie. Zwei komplementäre Spielarten der linguistischen Wende; 2. Rationalität und Verständigung. Sprechakttheoretische Erläuterungen zum Begriff der kommunikativen Rationalität. II. Intersubjektivität und Objektivität: 3. Von Kant zu Hegel. Zu Robert Brandoms Sprachpragmatik; 4. Wege der Detranszendentalisierung. Von Kant zu Hegel und zurück. III. Wahrheit in Diskurs und Lebenswelt: 5. Wahrheit und Rechtfertigung. Zu Richard Rortys pragmatischer Wende; 6. Richtigkeit versus Wahrheit. Zum Sinn der Sollgeltung moralischer Urteile und Normen. IV. Grenzen der Philosophie: 7. Noch einmal: Zum Verhältnis von Theorie und Praxis.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.465.42 Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Jürgen Habermas: Wahrheit und Rechtfertigung. Frankfurt a. M.: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8228-wahrheit-und-rechtfertigung_10847, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10847 Rezension drucken
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